"Gefährliche Verharmlosung"

Grüne befürchten größeren Mangel an Wasser und fordern öffentliche Veranstaltung zur Grundwassersituation im Heidekreis

„Die Irritation ist schon groß!“ kommentiert Ellen Gause, stellvertretende Fraktionssprecherin der Grünen Kreistagsfraktion, die Präsentation der Unteren Wasserbehörde zur Bewirtschaftung von Wassermengen im Heidekreis im Anschluss an die Sitzung des Ausschusses für Bau, Natur, Umwelt und Landwirtschaft Mitte Mai. Nach Auffassung der Grünen ist die Aussage, „wir sitzen im Heidekreis auf einem Grundwasserkörper, der schier unerschöpflich ist“, irreführend und eine gefährliche Verharmlosung der Situation. Wenn die Temperaturen stiegen, Niederschläge immer unregelmäßiger und überwiegend im Winter fielen, die Versiegelung und Verdichtung von Flächen weiter ungebremst zunehme und gleichzeitig der Bedarf für das wertvolle Gut Wasser steige, werde sich die Situation zwangsläufig verschärfen. „Schon heute steht in vielen Teilen Deutschlands ein Viertel weniger Wasser zur Verfügung als in den 1980er-Jahren. Die Grundwasserspiegel sinken, Bäche versiegen, Feuchtgebiete fallen trocken und die Wälder leiden immer stärker unter Trockenstress“, so Gause. Zur Analyse gehört auch die Betrachtung der Qualität. Die Grünen betrachten daher eine gründliche und differenzierte Bewertung der aktuellen Lage im Heidekreis als zwingend erforderlich, wobei neben dem Grundwasserkörper auch das oberflächennahe Grundwasser und die unterschiedlichen Anforderungen der verschiedenen Wassernutzer in den Blick genommen werden müssen. In die Diskussion über die Wassernutzung gehört aber auch eine genaue Betrachtung der Wasserqualität. Weder werden die Nitratgrenzwerte im Grund- und Oberflächenwasser flächendeckend eingehalten noch gibt es wirksame Maßnahmen gegen den Eintrag wasserlöslicher Stoffe oder relevanter Abbauprodukte aus Pestiziden und Arzneimitteln, die Wasserorganismen schädigen oder für Menschen giftige, krebserzeugende oder erbgutschädigende Wirkung haben können. Da das Zusammenwirken der verschiedenen Stoffe nur unzureichend erforscht ist und es bislang keine effektiven Filterverfahren gibt, sollte nicht nur der Quantität, sondern auch der Qualität des Grundwassers mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Zur Klärung der vielen offenen Fragen fordern die GRÜNEN eine öffentliche Veranstaltung zur Grundwassersituation im Heidekreis. „Auf die Präsentation muss eine umfassende Einordnung folgen, die dem Ernst der Lage gerecht wird“, fasst Carsten Gevers, Fraktionssprecher der Grünen Kreistagsfraktion, zusammen.